Pedelecs (Pedal Electric Cycles) –
Fahrräder mit Elektromotor-Unterstützung

Die Idee

Die Idee, ein Fahrrad mit einem Hilfsmotor auszurüsten, ist so alt wie die Motorisierung. Anders als heute ging es damals darum, den Fahrer von der Anstrengung des Tretens zu befreien. Fahrräder mit Hilfsmotoren konnte man zum Teil zwar auch mit Muskelkraft fortbewegen, immer hieß es aber entweder Motor oder Muskelkraft. Die Motoren gab es zum Nachrüsten oder ab Werk eingebaut – dann oft in einen hierfür modifizierten Rahmen. Diese Räder waren in der Hauptsache für die interessant, denen ein normales Fahrrad nicht genügte, die sich aber kein Motorrad oder gar Auto leisten konnten. In Ermangelung anderer Möglichkeiten waren die Motoren natürlich Verbrennungsmotoren.

Interessante Seiten zu diesem Themenbereich: Lohmann-Motor und Fahrradhilfsmotorenfreunde.

Heute geht es nicht mehr darum, ein billiges Ersatzmotorrad zu bauen. Schon lange suchen Entwickler nach Möglichkeiten, Motor- und Muskelkraft zu kombinieren – mit umweltfreundlichen Elektro-Motoren. Eines der ersten brauchbaren Räder mit Elektro-Motor entwickelte die Firma Yamaha bereits 1994. Heute sind wir in der Entwicklung der E-Motoren, der Akkus, der Elektronik ein großes Stück weiter. Daneben explodieren die Spritpreise, das Umweltbewustsein der Bevölkerung ist groß und immer mehr Menschen bemerken Schäden durch zu wenig Bewegung und nutzen notwendige Wege um gegenzusteuern. Hier ist das Pedelec (auch Elektrofahrrad oder e-Bike genannt) der ideale Partner.

 

Wie funktioniert ein Pedelec

Pedelecs gibt es in verschiedenen Bauarten (siehe weiter unten). Gemeinsam ist ihnen, dass sie einen akkubetriebenen Elektro-Motor besitzen, der den Fahrer als Tandempartner unterstützen kann – aber nicht muss. Die Motor-Unterstützung erfolgt nur, wenn die Pedale bewegt werden und die Unterstützung aktiviert wurde. Die Unterstützung kann per "Gas"-Griff oder per Tasten am Steuergerät aktiviert werden. Ein oder mehrere Sensoren überwachen und regeln das Zusammenspiel zwischen Tretleistung des Fahrers und Unterstützung des Motors.

Die Motor-Unterstützung kann der Fahrer nutzen, um mit weniger Körpereinsatz oder aber um mit höherem Tempo zu fahren. Sie unterstützt vor allem im Bereich der für den menschlichen Körper mühsamen (niedrigen) Trittfrequenz. Im Idealfall ist ein Pedelec ein pfeilschnelles Trekkingfahrrad, das auch ohne Strom noch zum flotten Fahren einlädt.

Voraussetzung für wirklichen Fahrgenuss ist aber auch hier – wie bei allen Fahrrädern – dass das Rad gut durchkonstruiert sowie optimal an den Fahrer angepasst ist. So ist es mittlerweile sogar möglich, auch Pedelecs individuell an den Fahrer anzupassen. Es existieren sogar die ersten Profi-Reise-Pedelecs.

 

Unterschiedliche Bauarten

Wie bereits oben kurz erwähnt, gibt es grundsätzlich zwei Steuerungsarten für die E-Motor-Unterstützung: Gasgriffsteuerung und Sensorsteuerung.

Die Gasgriffsteuerung:
Diese Steuerung ist mittlerweile stark veraltet und wird immer weniger eingesetzt. Hierbei hat das Fahrrad am rechten Lenkerende einen "Gas"-Griff, mit dem man die Stromleistung manuell steuern kann. Eine zusätzlicher Sensor überwacht, ob sich die Pedale drehen.
Der Vorteil dieses Systems ist, dass der Fahrer am Berg oder auch beim Start sehr schnell die maximale Unterstützung erreichen kann, auch wenn er kaum mitmacht. Der Nachteil dieses Systems ist, das der Fahrer die individuelle Mithilfe des elektrischen Tandempartners immer selber regeln muss.

Die Sensorsteuerung:
Das Fahrrad hat ein Kontrollkästchen am Lenker, an dem die Motor-Unterstützung per Knopfdruck zu- und abgeschaltet wird und über das verschiedene Unterstützungsarten gewählt werden.
Vorteil dieses Systems: Da der Sensor misst, wie schnell und wie stark Sie treten (bzw. wie schnell Sie fahren), wird der elektrische Tandempartner immer von selber eingreifen, wenn es für Sie anstrengend wird. Wenn Sie dagegen locker radeln, so legt der Motor die Beine hoch und spart dadurch Energie. Damit passt der Sensor die Unterstützung durch den Motor Ihrer Körperlichkeit an und steigert sie exakt dort, wo Sie mehr Leistung benötigen.

Für jede der beiden Steuerungsarten gibt es wiederum mehrere Möglichkeiten der Unterbringung von Motor und Batterie.

Nabenmotor:
Der Motor ist in der Radnabe (dem dicken Ding in der Mitte der Rades). Diese Bauart gibt es sowohl im Vorderrad als auch im Hinterrad. Die Batterie ist hierbei entfernt untergebracht, z. B. an oder im Gepäckträger, am Rahmen oder unterm Sattel.
Vorteil: Die Antriebstechnik ist weitgehend wie ein Fahrrad. Eine Rücktrittbremse ist möglich.
Nachteil: Die Gewichtsverteilung ist ungünstiger und macht dem Fahrradrahmen das Leben schwer. Die "verstreute" Lage der Bauteile erfordert oft viele Kabel. Da die Leistung im Rad erzeugt wird, muss der Rahmen dort auch deutlich stabiler gebaut sein. Im Falle der Antriebsnabe im Hinterrad sind nur bestimmte Gangschaltungen möglich. Beim Ausbau eines Rades muss der Motor immer mit ausgebaut werden.

Tretlagermotor:
Der Motor und die Batterie sind zentral am Tretleger untergebracht.
Vorteil: Die Gewichtverteilung ist ideal, da alle Massen zentral in der Mitte des Fahrrades und vergleichsweise tief angeordnet sind. Kabelsalat entfällt. Dadurch, dass am restlichen Fahrzeug alles fahrradtypisch ist, sind viele Gangschaltungen möglich.
Nachteil: Eine Rücktrittbremse geht durch den Freilauf im Motor meist nicht. Das Tretlager ist im Motor und bei einem Defekt nur aufwändig Instand zu setzen.

 

Trotz Motor zulassungsfrei

Im Rahmen der folgenden, maßgeblichen Bestimmungen durch die StVZO in Anlehnung an die EU-Richtlinien aus dem Jahre 2002, gelten Pedelecs rechtlich als Fahrräder und sind somit zulassungsfrei.

Zulassungsfrei sind:

Fahrräder mit Trethilfe, die mit einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer maximalen Nenndauerleistung von 0,25 kW ausgestattet sind, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h oder früher, wenn der Fahrer im Treten einhält, unterbrochen wird.

 

Für wen ist ein Pedelec sinnvoll

Allein im Jahr 2006 wurden bereits rund 190.000 Pedelecs und E-Bikes in Europa verkauft. Die Deutsche Post AG setzt schon seit dem Jahr 2000 Pedelecs im Zustelldienst ein und betreibt inzwischen eine Flotte von rund 8000 Pedelecs. (Quelle: ExtraEnergy e.V.)

Lange galten Elektrofahrräder gemeinhin als Fahrgeräte für Alte und Gebrechliche. Heute kann man lesen, dass Leute wie Reiner Calmund, Ex-Manager von Bayer 04 Leverkusen, für das Pedelec werben. Er sagt: "Das Fahrgefühl mit dem E-Bike ist unbeschreiblich – mit dem Gefährt ist der Fahrspaß programmiert". Aber Pedelecs sind nicht nur ideale Verkehrsmittel, Freizeitvergnügen und Trainingsgeräte für die, denen herkömmliches Fahrradfahren (aus welchen Gründen auch immer) schwerfällt. Untrainierten Fahrradfahrern ermöglichen sie Rennrad ähnlichen Fahrspaß und eine enorme Vergrößerung des Aktionsradiuses.

Darüber hinaus sind Pedelecs das komfortable Alltagsverkehrsmittel für alle – für den Weg zur Arbeit, zur Schule, zur Universität, zum Shoppen und Ausgehen in Städten und Vororten, vor allem dort, wo Parkplatznot herrscht oder Bewegung Not tut.

Pedelecs haben das Potential, dem Trend hin zu nachhaltiger, schneller und individueller Mobilität eine neue Dimension zu verleihen.

 

Welches Pedelec für Sie

Diese Frage können Sie nur selbst entscheiden – nachdem Sie mehrere Pedelec probegefahrten haben.
Glauben Sie mir: Die Unterschiede zwischen Pedelec und Pedelec sind ungefähr so gravierend wie zwischen VW Käfer und Ferrari Testarossa.

 

Mehr

In der Zeit Nr. 31/2002 stand ein bemerkenswerter Artikel zum Thema: Die Glücksmaschine

Lesen Sie um Thema Pedelec auch unsere Ratgeber "Nirgendwo ist ein Hybridantrieb so sinnvoll wie beim Fahrrad!", "Wer braucht ein Pedelec?" und den Artikel "Das "Patria Speedster"-Projekt".

 



 
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